Karneval der RSP-Blogs / 100 Places to play – Xesvogs Fußabdruck

In einer neuen Reihe möchte ich das bekannte Motto „100 places to see“ aufgreifen und für das Rollenspiel umsetzen. Es geht in dieser Reihe darum, sich von realen oder surrealen Orten inspirieren zu lassen und Futter für die ein oder andere Rollenspielidee, sei es Setting oder Szenario, zu generieren – „100 places to play“ eben. Wer Interesse hat, diese Ideen für seine Gruppe zu nutzen, gerne immerzu.

Anfangen möchte ich diese Reihe mit Xesvogs Fußabdruck (wie passend, dass der Karneval der Rollenspielblogs sich diesen Monat um das Thema Riesen dreht ;-))

Xesvog ist ein Riese, der in dieser Landschaft seinen Fußabdruck hinterlassen hat – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Senke, die diesen Namen trägt, ist etwa einen Kilometer lang und bis zu vierhundert Meter breit. An der tiefsten Stelle der Steilwand steht man immerhin fünfzig Meter unterhalb des Niveaus der Ebene, in der sich der Fußabdruck befindet, und wie sollte es anders sein: Er hat selbstverständlich exakt die Form, die man von einem Riesenfuß erwartet. Fersen, Zehen, Mittelfuß – kein Wunsch bleibt offen.

Schon früh spürten die Menschen, dass dieser Ort etwas Besonderes ist: Der Tempel, der sich an der Ferse (dort, wo sein gesegneter Fuß zuerst unsere Erde berührt hat, wie die Priester nicht müde werden zu betonen!) in der Felswand befindet, ist immerhin bereits einige hundert Jahre alt. Die Priesterschaft ist verschroben und scheu. Man munkelt, dass sie hinter ihren dicken Mauern nach einem Weg suchen, Xesvog persönlich anzurufen und zurück in unsere Welt zu holen. Und tatsächlich sieht man des nächstens flackerndes Licht durch die schießschartenartigen Fenster leuchten und hört unheimlichen Singsang in einer unbekannten Sprache hinaus auf den Hohlweg hallen.

Allein, es hilft nichts: Jeder, der die Senke betreten oder verlassen möchte, muss hier vorbei, denn es gibt schlichtweg keinen anderen Weg, als über die Treppe, die die ersten Priester vor Jahrhunderten in den Fels getrieben haben. Und allen Besuchern – denn davon gibt es zahlreiche – knöpfen die Priester einen Wegzoll ab, der sich gewaschen hat. Viele nehmen den Preis dennoch auf sich, um im Staub nach den verborgenen Rohdiamanten zu suchen, die sich in der Senke finden lassen. Inzwischen gibt es am Ufer des Wasserlochs im Zentrum des Fußabdrucks bereits eine lose Ansammlung windschiefer Hütten und Zelte, in der sich die Glücksritter und Schatzsucher tummeln. Jeder, der sich hier ebenfalls versuchen möchte, sollte sich mit dieser illustren Gesellschaft gutstellen, denn der Rat der Fünf (die von sich selbst behaupten, die ersten fünf Edelsteinsucher gewesen zu sein, in Wahrheit aber schlicht grausam und rücksichtslos genug waren, um als letzte Fünf einen instabilen Burgfrieden zu schließen) wacht mit Argusaugen darüber, dass die Regeln eingehalten und bestehende Schürfrechte nicht verletzt werden.

Wäre da nicht die Gier des örtlichen Provinzherren, der sich anschickt, die Senke für sich zu beanspruchen und eine große fürstlichen Mine errichten zu lassen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine Hundertschaft seiner Soldaten aufkreuzt, um mit den Schatzsuchern aufzuräumen – und wehe, wenn unbedarfte Reisende zwischen die Fronten geraten.

Bis es so weit ist, hallt jedoch ausschließlich das Blöken verirrter Schafe von den Klippen, und wannimmer einer der Schäfer, die auf der kargen Ebene ihr nomadisches Leben führen, herbeieilt, um das entlaufene Vieh zurückzuholen, so schüttelt er nur stumm den Kopf über die Verrücktheit derjenigen, die sich in die verfluchte Senke hinabwagen. Reicht es denn nicht, dass die Gegend regelmäßig von Erdstößen erschüttert wird? So mancher beharrt nach solchen Nächten steif und fest, am Horizont einen hoch aufragenden Umriss ausgemacht zu haben, der über die Ebene stapft: Xesvogs Kinder, so munkelt man, die auf der Suche nach ihrem verlorenen Vater durch die Welt streifen.

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